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ACCESSOIRES

WENN EINER EINE REISE TUT …

Schöner stapeln: Dieser ansehnliche Turmbau bietet viel Stauraum und sieht dabei auch noch umwerfend aus

Auf Reisen waren diese schönen Stücke fast ihr ganzes Leben lang. Jetzt haben sie bei uns eine Rast eingelegt – aber eigentlich suchen sie ein liebevolles Zuhause, dessen Charme sie mit ihrem weitgereisten Erfahrungsschatz bereichern können

Jeder dieser zum Teil mehr als 100 Jahre alten Lederkoffer hat eine eigene Geschichte zu erzählen. Manche geben mittels Einprägungen, Etiketten, Vermerken oder Gebrauchsspuren Hinweise darauf, bei anderen dürfen wir unserer Fantasie freien Lauf lassen. So zum Beispiel bei einem rindsledernen Satteltaschenkoffer, der vermutlich aus der Zeit um 1890 stammt und einem in Afrika stationierten britischen Offizier gehörte. Sofort malt unser inneres Auge mit wilden Pinselstrichen eine exotische Welt voller Sand und Staub und Abenteuer. Mit drückender Hitze, flirrendem Horizont, Kamelen und Beduinenzelten. Und mitten darin diese fein gearbeitete und doch äußerst robuste Satteltasche, prall gefüllt mit allem, was einem Menschen in der Ferne damals unerlässlich schien. Wie viele Tausende von Kilometern mag sie gereist sein, was mag sie alles gesehen und erlebt haben?

Wein-/Hutschachtel: Da ein edler Roter nicht gekühlt werden muss, lässt er sich auch mal unkonventionell kredenzen

Ganz anders, aber keinen Deut weniger spannend dürfte die Geschichte sein, die die antike Arzttasche aus Krokodilleder zu erzählen hat, war sie doch in äußerst unsicheren Zeiten einem in größter Not herbeigerufenen Lebensretter das wichtigste Utensil. Und so hat jedes einzelne Stück eine bewegte Vergangenheit, die Spuren hinterlassen hat: im Außen sichtbar, im Innen spürbar. Das gilt umso mehr, als Leder – ähnlich wie Holz – ein „lebendiges“ Material ist, das mit jedem Jahr an Würde gewinnt. Allerdings nur, wenn es über die Jahrzehnte hinweg nicht allzu großen Belastungen ausgesetzt war. Extreme Hitze, dauerhafte Feuchtigkeit oder auch stumpfe Gewalteinwirkung durch Stöße zermürben auf Dauer.

Kuscheln, bis der Arzt kommt; seine Tasche ist jedenfalls schon da


Ein echter Lederkoffer ist etwas sehr Persönliches – viele der alten Stücke sind daher mit Monogrammen gekennzeichnet

 


So kommt es, dass wir heute nicht mehr allzu viele lederne Zeitzeugen längst vergangener Epochen vorfinden. Umso wichtiger ist, dass wir die vorhandenen hüten und schützen – und würdevoll behandeln. Ob als Aufbewahrung für persönliche Preziosen, die Hausapotheke oder – bei großen Exemplaren – als extravaganten Couchtisch, denn was könnte schöner sein, als am Ende einer langen Reise eine neue Heimat zu finden …

Ein großer Lederkoffer macht sich hervorragend als individueller Beistelltisch