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ACCESSOIRES

EIN MANN, EIN MESSER

Die Legende beginnt um 1829, in einem kleinen Dorf an der Grenze des Aveyron in Frankreich, zweieinhalb Autostunden nördlich von Montpellier.

Im Dorf Laguiole (gesprochen: Lajolle) hat der Schmied und Tüftler Jean-Pierre Calmels sein Leben einer genialen Idee verschrieben: Er will das erste Taschenmesser entwickeln, dessen Klinge im Griff versenkbar ist. Kein Dorn, keine Schablone sollen nötig sein, um die Klinge zu fixieren. Praktisch soll es sein, stabil und handlich. Kurzum: eine kleine Revolution. Das Kunststück gelingt und tritt wenig später seinen Siegeszug durch Frankreich an. Diese besonderen Messer, nach ihrem Ursprungsort Laguiole benannt und an einer eingeschnitzten Biene erkennbar, sind bald in aller Hände.

ALLE WOLLEN EIN LAGUIOLE

Mit dem Erfolg kommen über die Jahre die Nachahmer. Im weiter nördlich gelegenen Thiers entstehen Laguioles im industriellen Stil. Das reiche Bürgertum entdeckt das Messer für sich. Neben den traditionellen Werkstoffen Horn und Bein werden für den Griff Edelhölzer und sogar Elfenbein verwendet. Auch die Verzierungen und Guillochen werden feiner, und die Biene bekommt Konkurrenz in Form von Stierköpfen, Jakobsmuscheln und Kleeblättern.

Der Klingenstahl wird erhitzt, bis er kirschrot ist, dann bearbeitet, um später im Ölbad abzukühlen.


„Ressort silencieux vivra vieux“ – leise geschlossen lebt es länger. Denn beim Zuschnappen könnte die Klinge auf der Innenseite der Feder aufschlagen.

 


 

NEUGEBOREN IN ALTER TRADITION

Doch dann gerät das Laguiole in Vergessenheit, im Dorf selber wird kaum noch ein Messer produziert. Erst Mitte der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts wird das Laguiole wiederentdeckt, von einer neuen Generation von Messermachern. Zum einschneidenden Datum wird das Jahr 1987: Es ist das Gründungsjahr der Forge de Laguiole (Schmiede von Laguiole). In dieser besonderen Manufaktur wird nicht nur die tradierte Messerschmiedekunst beherrscht, hier bewegt man sich auch fest entschlossen in Richtung Zukunft. Bereits das Firmengebäude zeugt davon: Der Entwurf des Designers Philippe Starck verbindet Innovation und Tradition und entfaltet mit einer 18 Meter hohen Klinge auf dem Dach weitreichende Signalwirkung

DAS GANZE MESSER AUS EINER HAND

In der Forge de Laguiole wird von Beginn an nach strengsten Fertigungsrichtlinien gearbeitet. Jedes Messer wird von einem Messermacher gefertigt, vom ersten bis zum letzten Handgriff. Die Klinge muss geschmiedet sein, und nur ausgesuchte Materialien finden Verwendung. Dafür darf die Manufaktur als eines der wenigen Unternehmen der Region das Qualitätsund Herkunftssiegel LOG (Laguiole Origine Garantie) tragen. Der Name Laguiole ist als solcher nicht geschützt und wird sogar von Unternehmen aus Fernost verwendet – wer also Wert auf das Original legt, sollte nach dem Siegel und dem Logo der Forge schauen: Es zeigt in der Mitte des Schriftzuges ein großes L, aufgestellt wie ein halb geöffnetes Klappmesser. Daneben gibt es aber ein weiteres, untrügliches Merkmal für ein echtes Laguiole: die Qualität des Materials, der Verarbeitung, der Justierung und der Klinge.


Wer ein Messer der Forge de Laguiole geschenkt bekommt, darf sich nicht nur glücklich schätzen, sondern sollte dem Schenkenden schnellstmöglich ein kleines Geldstück überreichen. Denn sonst – so heißt es – zerschneide das Messer die Freundschaft. Die kleine Gabe ist verschmerzbar, wenn man bedenkt, dass ein echtes Laguiole je nach Ausstattung schon mal 1.000 Euro wert sein kann.

 


 

Alles im Griff: Die Biene war wahrscheinlich die erste Verzierung des Schaftes. Inzwischen gibt es ganz unterschiedliche, jeweils in präziser Handarbeit gefertigte Motive.

FÜR SAMMLER UND JÄGER

Längst beschränkt sich das Sortiment der Forge de Laguiole nicht mehr nur auf Taschenmesser. Gefertigt werden auch Tafel- und Tranchierbestecke, Brot-, Käse- und Steakmesser und sogar Sommeliermesser. Die verwendeten Materialen und die Designs variieren – von ultrascharfen Damastklingen bis hin zu Mammutzahn-Griffen – doch die Unverwechselbarkeit bleibt. Auch oder gerade weil viele der Messer in Zusammenarbeit mit modernen Designern wie Philippe Starck, Hermes, Sonja Rykiel, Eric Raffy und Yan Pennors entstehen. Doch nicht nur das macht sie zu äußerst begehrten Sammlerstücken. Man munkelt sogar mancherorts, ein Mann ohne Laguiole sei wie ein Stier ohne Hörner

Laguiole-Messer wecken die Sammelleidenschaft. Besonders gefragt ist das Laguiole für den Pfeifenraucher

GUT ZU WISSEN

Die Messer der Forge de Laguiole sind für die Ewigkeit gemacht. Damit sie auch wirklich so lange halten, sollte die Mechanik regelmäßig geölt werden. Zum Klingenschärfen bitte nur einen Stein benutzen. Und Horn oder Holz niemals nass werden lassen. Deshalb dürfen die Messer auch nicht in die Spülmaschine, sondern werden nur sorgsam abgewischt.